Black Panther Anthologie

20. Juli 2022
2 Minuten gelesen

Mit Erscheinen des aktuellen „Black Panther: Wakanda Forever“ hat die Figur einen weiteren Stein ins Rollen gebracht. Die Repräsentation nicht-weißer Menschen nimmt auch im MCU zunehmend Raum ein, was dringend an der Zeit ist. Dass die Figur Black Panther schon seit Anbeginn ihrer nunmehr knapp 60 Jahre langen Geschichte eben genau dafür steht, lernt man unter anderem in dieser umfangreichen „Black Panther Anthologie“.

Sie erscheint als dickes Hardcover mit sehr vielen lehrreichen Redaktionstexten und Kommentaren bei Panini Comics.
Einige spannende Einblicke in die Höhepunkte der Black Panther Comics und viele Meilensteine der Figur kann man darin natürlich lesen. Allein die Reihe der Autoren sollte einem klar werden lassen, was einen darin erwarten kann. Vertreten sind solche Namen wie Chris Claremont, Chris Priest, Don McGregor, J. Torres, Jack Kirby, Jason Aaron, Reginald Hudlin, Roy Thomas, Stan Lee und Ta-Nehisi Coates.

Ein Idee war geboren

Wie so viele Figuren des Hauses der Ideen, damals gerade zu Marvel umbenannt, entstanden sie in der Zusammenarbeit aus Stan Lee und Jack Kirby. Letzterer war wie immer wichtiger, als es ihm oft zugeschrieben wird. Die Figur Black Panther war anfangs nur eine Randerscheinung zu einer Zeit, als die Schwarzenrechtsbewegung in den USA gerade am Aufkochen war. Dass sogar eine Bewegung denselben Namen trug, die „Black Panther Party“, zeigt auf seltsame Art und Weise, dass dieses Motiv von äußerster Relevanz war. Der Chronologie zufolge gab es den Marvelhelden vor der politischen Bewegung.

In dieser Anthologie begleiten wir den sich stetig im Wandel der Zeit befindlichen Titelhelden Black Panther alias König T’Challa. Wunderbar aufgearbeitete und kontextualisierende Kommentare geben einem beim Lesen genügend Verständnis für den Entstehungszeitraum und die Geschehnisse in der Welt der bunten Helden. Somit eröffnet sich mit jedem weiteren Einblick in eine Black Panther Reihe ein neues kleines Fenster in eine Stil- und Comicepoche. Viele dieser Geschichten befassen sich mit der Identität, der Tradition, der Kultur und dem Erbe des Helden. Ein Motiv, das sich bis in den aktuellsten Film durchzieht.

Immer wieder interessant zu betrachten sind die Entwicklung von Erzählstilen, Zeichenstilen, der medialen Erweiterung durch digitales Zeichnen und auch die am Rande behandelten Konflikte und Motive. Neben den bereits genannten Aspekten werden auch Marvel-Höhepunkte wie die Ehe zu Ororo Monroe alias Storm gezeigt; die damit einhergehenden Probleme werden nicht ausgelassen. Mindestens genauso spannend ist die Entwicklung des T’Challa, der zwar von Anfang an als genialer Stratege und technikaffiner Wissenschaftler eingeführt wird, jedoch im Rahmen der Secret Invasion zu einer Schlüsselfigur erhoben wird.

Es wird immer dunkler

Natürlich darf man nicht vergessen, dass der Anfang in den 60er Jahren liegt. Dort sind die Comics bekanntlich sehr bunt und geprägt von meist einfarbigen Flächen. Die zeichnerische Entwicklung der Figuren sowie der Kontext der realen Geschichte wird am ehesten deutlich, wenn man sich den harten Bruch genauer ansieht. Der Black Panther wird schrittweise animalischer, die Geschichten werden düsterer und die Person hinter der Maske wird erwachsener und rauer. Sogar so weit, dass der aktuelle Black Panther einem vorkommt wie ein autokratischer Despot, dessen Methoden an die diktatorische Führung von Scheindemokratien erinnert.

Die Vielzahl der Zeichner von Jack Kirby, John Byrne, Mark Texeira, Sal Buscema, Kaare Andrews, Scot Eaton, Pasqual Ferry, Brian Stelfreeze, Jefte Palo, Ryan Bodenheim und Rich Buckler lässt den geneigten Comic-Fan bereits erahnen, dass die Vielfalt groß ist.

Auch können kleine Schätze des Storytellings und der Zeichenkunst wiederentdeckt werden. Beispielsweise stechen die Einblicke in Marvel Knights Black Panther, geschrieben von Christopher Priest und gezeichnet von Mark Texeira, diesbezüglich besonders hervor. Eine kleine Eigenheit dieser Ausgabe ist das matte Papier, das zum Druck verwendet wurde. Das Lesegefühl, das allein durch die Haptik erzeugt wird, macht einen sehr echten und gleichzeitig andersartig hochwertigen Eindruck. Zumal keine Fettflecken von den Fingern beim Umblättern zurückbleiben. Es scheint erheblich praktischer und günstiger zu sein, also warum nicht immer so?

Fazit
Die „Black Panther Anthologie“ gibt einem das Gefühl, den König von Wakanda wirklich kennenzulernen. Gerade wegen der vielen Kommentare und Einführungen erfährt man immens viel über die Figur und dessen Entwicklung. Die vielen stilistischen Ausflüge in die Geschichte des Comics machen diese Erfahrung nur umso lohnenswerter. Für den recht schlanken Preis dieser Ausgabe erhält man ein sattes und prall gefülltes Stück Comic-Geschichte.
Pro
„Black Panther Anthologie“ bietet eine umfassende Erkundung der Entwicklung der Figur, reichhaltiges Geschichtenerzählen und verschiedene Kunststile namhafter Autoren und Künstler und bietet einen umfassenden Einblick in die 60-jährige Geschichte von Black Panther.
Kontra
Während die Anthologie wertvolle Erkenntnisse liefert, spiegeln einige Geschichten möglicherweise den kulturellen Kontext der Epoche wider, und die Entwicklung der Figur zu einer autokratischeren Figur könnte bei den Lesern für Uneinigkeit sorgen.
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Über den Autor

Lars Hünerfürst

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