Sunny 2

19. Mai 2021
2 Minuten gelesen

Die Fortsetzung der von Taiyo Matsumoto verfassten Manga-Reihe Sunny erzählt unfassbar einfühlsam vom Leben der Bewohner des Kinderheims „Sternenkinder“.

Der Autor verarbeitet in diesem Werk die eigenen Erfahrungen und Erlebnisse seiner Zeit in einem Heim. In einem diesbezüglichen Interview wie auch in seinen anderen Werken lässt sich ein tief sitzender Schmerz erkennen. Entsprechend fühlen sich seine Figuren alle realistisch und in ihren Motivationen und Sorgen tiefgründig an.

In diesem zweiten Band wird konsequent weitergeführt, was Matsumoto im vorangegangenen Band begonnen hat.
Verlegt hat es der Carlsen Verlag mit einem klappbaren matten Kartoneinband.

Die Handlung

Auch in diesem zweiten Teil bekommen wir kapitelweise Kurzgeschichten mit den sich zu Protagonist:innen entwickelnden Figuren erzählt. Diese Episoden sind allesamt andersartig in ihren vorliegenden Problemen, den darin verstrickten Akteuren und der Art und Weise, diese Probleme zu lösen.

Eine der ersten Episoden behandelt den Neuankömmling Sei. Dieser soll den kleinen Jungen Turo dem Heim bekanntmachen und ihm einfach ein Freund sein. Sei ist allerdings selber noch so schwer verletzt davon, dass seine Mutter ihn nicht aus dem Kinderheim abholt. Innerhalb der Geschichte erzählt Sei von einem Traum, den er immer wieder träumt. Ein Traum, in dem er sitzend auf der Treppe zum Haus seiner Eltern auf seine Mutter wartet. Er ist trotz dieser Sehnsucht und Hoffnung ein guter Freund für den sehr traurigen Turo. Als dieser dann kurze Zeit später wieder abgeholt wird, schlägt es Sei in die Magengrube und er wird sich seiner Lage und Gefühle umso bewusster.
Matsumoto schafft es, diese kleine Episode in einer Art und Weise zu erzählen, dass es einen wirklich mitnehmen kann. Durch Stille in den Panels (wie etwa musiklose Schnitte im Film), die das Szenario etablieren, entsteht eine wirklich großartige Atmosphäre.

Im weiteren Verlauf erleben wir, wie sich Megumu und Kiko den Rücken decken, wie Kenji als einer der ältesten seine Zukunftsperspektive neu ordnet und mehr und mehr, was Haruo antreibt und besorgt. Der weißhaarige Junge vom Cover des ersten Bandes scheint als treibender Charakter eine zentralere Rolle einzunehmen. Es bleibt abzuwarten, wie Taiyo Matsumoto seine Figuren auserwählen wird und welche traurigen und lustigen Momente wir mit den Kindern des Heims dann noch durchleben werden.

Der Stil

Wie bereits im ersten Beitrag zu „Sunny“ beschrieben, sind die Zeichnungen manchmal gewöhnungsbedürftig.

Das Szenario ist aber nahezu immer mit viel Liebe zum Detail gezeichnet. Matsumoto glänzt mit einem scharfen Blick für tolle Perspektiven. Die Figuren an sich werden manchmal mit seltsam verzerrten Gesichtern gezeigt, was anfänglich abschreckend wirken kann. Jedoch hat dieser Stil – so wenig konventionell wie er sich präsentiert – einen sehr hohen Wiedererkennungswert. Auch lassen sich traditionelle japanische Einflüsse vergangener Epochen darin finden.

Ab und an werden Panels von welligen Rändern umgeben, die so geführt werden und dabei aussehen, als wären sie gedachte Bilder einer Denkblase einer anderen Figur.
Sonst findet sich eine sehr klassische Aufteilung der Bilder in diesem Comic.

Das ruhige Tempo spiegelt sich in den gewählten Bildausschnitten und den oftmals großen Panels. Die Splashpages und Doppelseiten, die diese Ausgabe hat, sind allesamt hinreißend gezeichnet.

Fazit
Der zweite Band macht konsequent da weiter, wo der vorige aufgehört hat. Die Protagonist:innen haben bereits einige spannende und sehr menschliche Situationen erlebt, sodass man die hier gezeigten Entwicklungen mehr als nachvollziehbar und schön erzählt empfinden kann. Die darin verarbeiteten Themen sind keineswegs leicht oder gar „sunny“, also sonnig. Es beschäftigt, macht traurig, weckt Hoffnung und Sehnsüchte. Eine ideale Fortsetzung einer Geschichte mit emotionalem Tiefgang.
Pro
Sehr einfühlsame Erzählweise, authentische Figuren und spannende Themen. Alles in allem eine ideale Fortsetzung einer Geschichte mit emotionalem Tiefgang.
Kontra
Gewöhnungsbedürftiger Zeichenstil.
9

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