Catwoman von Ed Brukaber 1

25. November 2021
3 Minuten gelesen

Sie war schon vieles in ihrer nunmehr 80 Jahre andauernden Comic-Geschichte: geschickte Diebin, Partnerin und Liebhaberin von Bruce Wayne alias Batman und nicht zu vergessen Superheldin. In diesem satten ersten Megaband des Meisters des Hardboiled Genre Ed Brubaker („Marvel Must-Have: Captain America – Winter Soldier“, „Kill or be Killed“) dürfen wir letzteren Aspekt fabelhaft erzählt miterleben.

Hierin finden sich auf über 300 Seiten vier packende Re-Prints aus den Anfängen der 2000er, die zu großen Teilen abgeschlossene Geschichten zeigen. Gezeichnet haben der mehrfach Eisner-Award gekrönte Darwyn Cooke und Mike Allred sowie der Storyboardkünstler Brad Rader, der „Batman: Die Serie“ mit erschuf.

Dieser bei Panini Comics veröffentlichte „Detective Comics“ Megaband wird seinem US-Publisher in allen Belangen gerecht: Detektive, Spitzel und knallharte Typen.

Die Sammlung der Geschichten

Selinas grosser Coup

Im ersten knapp 90-seitigen Teil versucht Selina Kyle alias Catwoman wieder in Gotham City Fuß zu fassen, ohne dabei allzu viel Staub aufzuwirbeln. Dies gelingt ihr nur mäßig, denn schnell ist sie wieder in der diebischen Unterwelt angekommen. Mittels alter Bekannter, namentlich dem Pfandhausbetreiber Swifty und einem ihrer ehemaligen Partner, Stark, versucht sie einen der größten Coups zu landen. Sie planen – gespeist durch Informationen der sich um das Leben ihrer Familie ängstigenden Prostituierten – den Mafiaboss Falcone auszunehmen. Ein groß angelegter Plan, ganz im Stile der ikonischsten Heist-Filme, wird mit technischen Raffinessen, Intrigen und schicksalhaften Wendungen durchgespielt. Der investigative Ermittler Slam Bradley wird in dieser Miniserie eingeführt und im folgenden Kapitel wieder aufgegriffen.

Die Spur der Katzenfrau

Denn im zweiten Teil dieses Megabandes erfahren wir, wie Slam Bradley überhaupt dazu kam, sich auf die Suche nach der als verstorben geltenden Frau namens Selina Kyle zu begeben. Vom Bürgermeister der Stadt beauftragt, macht er sich auf, die Straßen von Gotham und New York nach jedem Hinweis umzudrehen. Ihm wird langsam klar, dass eine Verbindung zwischen Catwoman und Selina bestehen muss, als diese plötzlich und quicklebendig in seinem Büro sitzt. Dies ist ein wunderbares Spiel mit der Perspektive, da wir in der ersten Geschichte nur aus Dialogen erfahren, dass ein solches Treffen stattgefunden haben muss. Slam Bradley taucht tiefer in die Historie von Selina Kyle ein und verändert seine Ansichten; er wird ihr helfen, anstatt sie zu jagen.

Kraftlos

Im dritten Streich, dem sich für Selina als Wendepunkt ihres Schaffens herausstellende Ereignis, tritt eine alte Bekannte in ihr Leben. Die Prostituierte Holly sucht im alten Versteck der Freundinnen Selina und Holly nach Schutz, denn ein Mörder ist auf den Straßen unterwegs und ihre Kolleginnen und Freunde sterben reihenweise. Batman wird sich nicht darum kümmern, also steht Catwoman als die neue Beschützerin des East End auf, um die Straßen wieder sicherer zu machen. Gemeinsam mit Slam und ihrer Freundin Holly machen sie sich auf die Suche nach dem unbekannten Serienmörder. Sie werden erschreckende Erkenntnisse gewinnen und zum einzigen Mal in diesem Paperback auf so etwas wie einen echten Comic-Superschurken treffen.

Verkleidungen

Im letzten Teil blicken wir etwas mehr in die Psyche von Selina Kyle und auf die Sorgen von Holly, die aufgrund ihres anhaltenden Entzugs einige Schwierigkeiten damit hat, auf der Straße unter all den bekannten Gesichtern zu agieren. Gemeinsam wühlen sie eine heiße Spur auf, die tiefe Wurzeln in der obersten Riege der Polizei von Gotham geschlagen hat. Wieder einmal hilft Slam Bradley der (nunmehr als Gerücht auf den Straßen Gothams wieder lebendigen)

Catwoman und einem Ermittler, die korrupten Strukturen ausfindig zu machen. Eine neue Gefahr für die Gotham City Unterwelt steht auf dem Plan und sie heißt: Catwoman.

Der Stil

Das Coverdesign lässt bereits vermuten, dass hier eine Stilistik vertreten sein wird, die eher retro anmutet. Dieser Eindruck täuscht nicht, denn von Seite eins an bekommen wir einen zu Anfang ungewohnten, einzigartigen und überzeugenden Stil zu sehen. Dem Genre Crime-Noir und dem Motiv der harten Kerle, die es im Alleingang mit ganzen Organisationen aufnehmen, des Genres Hardboiled entspricht dieser Stil fabelhaft. Darwyn Cookes Zeichnungen sind kantig und trotzdem weich, zeichnen sich aus durch kräftige Outlines und geschwungene Expressionen der Figuren und präsentieren filmische Perspektiven. Schraffuren und mehrfarbige Flächen sind nicht allzu häufig zu finden, dafür mehr die kräftigen schwarzen Linien, die den Figuren und Umgebungen ihren eignen Charme verleihen.

So maßgeblich prägende Elemente wie Licht und Schatten werden grandios umgesetzt. Beispielsweise die fast schon klischeehafte, aber einfach gut funktionierende Einstellung, wenn der bösartig korrupte Polizeichef Anweisungen gibt und nur Nacken und Hinterkopf ausgeleuchtet sind. Da Catwoman nahezu ausschließlich in der Nacht ihr heldenhaftes „Unwesen“ treibt, wird vor allem dort umso klarer, welchen stilprägenden Genres sich bedient wird und wie dieses einfach perfekt in diesem Comic zur Geltung kommt.

Im Verlauf dieses Paperbacks wird der Zeichenstil etwas moderner und ein Stück weit weniger wie eine Karikatur der 60er Jahre wirkend. Sicher bleibt Brad Rader der stilistischen Vorlage des Cooke treu, jedoch gewinnen die Bilder etwas mehr eines stilistischen Gefühls der Comics der 80er Jahre.

Einen großen Teil der Wirkung erzeugen wie immer die Farben. Die Kolorierung ist anfänglich etwas schriller und kräftiger in seiner ausgewählten Farbpalette, so sind Hintergründe der Nacht im kräftigen Türkisblau keine Seltenheit. Die Szenen bei Tag springen einen ob des Kontrasts der vorher gezeigten Farben fast an, so hell und knallig kommen sie daher. Im Verlauf der Kapitel und auch wegen des Wechsels des künstlerischen Teams werden die Farben etwas gedeckter, pastelltoniger, wenn auch nicht mindestens genauso kontrastreich.

Fazit
Dieses prall gefüllte Paperback ist jeden Kauf wert! Es ist ideal für nahezu jeden, der Catwoman nur vom Namen kennt, wie auch für Fans der gefährlichsten Katzenfrau Gotham Citys. Die in diesem Megaband zusammengeführten Miniserien fühlen sich relevant an und sind von Anfang bis Ende einfach meisterhaft erzählt. Es bestätigt sich einmal mehr, dass Ed Brubaker als einer der raffiniertesten Erzähler der Comic-Welt gewürdigt gehört. Mit diesem ersten von drei Paperbacks kann man einfach nichts falsch machen.
Pro
Fesselndes Geschichtenerzählen mit fesselnden Raubüberfallhandlungen und Charakterentwicklung. Einzigartiger Retro-inspirierter Kunststil mit effektivem Einsatz von Licht und Schatten.
Kontra
Der erworbene Geschmack für den Retro-Kunststil und die visuellen Übergänge gefallen möglicherweise nicht allen Lesern. Änderungen in der Farbpalette sprechen möglicherweise nicht jeden Leser gleichermaßen an.
9.6

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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