Man nehme eine gute Prise Kriminalgeschichte, gebe etwas höfische Kultur dazu und mische dies mit charmantem Humor. Dieses Rezept beherrscht der Manga „Die Tagebücher der Apothekerin – Geheimnisse am Kaiserhof“ im Schlaf.
Die von einem Künstlerkollektiv geschaffene Mangareihe adaptiert die gleichnamige erfolgreiche „Light Novel“ von Natsu Hyuuga. Die Autorin Itsuki Nanao sowie der/die Zeichner:in Nekokurage und Touco Shino haben sich diesem Werk gewidmet. Der Imprint des Cross Cult Verlags, Manga Cult, veröffentlicht die neunteilige Reihe erstmalig in Deutschland.
Eine Leiche, Honig und ein lang gehütetes Geheimnis
Dieser vierte Band startet sofort mit dem zu lösenden Fall. Die Leiche einer Zofe liegt im Graben des Palasts, noch unklar, ob es ein Mord oder Selbstmord war. Wie bisher schon öfter wird die Zofe und Protagonistin Maomao vom Eunuchen Jinshi herbeigerufen, um die Umstände des Todes zu klären. Zumindest wird ihr präzises Urteil mehr und mehr geschätzt. Zum Ziele der Aufklärung wird Maomao in die Granatresidenz geschickt. Dort lebt Aduo, die derzeit älteste Gemahlin des Kaisers. Sie ist zudem kinderlos.
Innerhalb weniger Seiten stellt sich die oberste Zofe Fonmin als extrem fleißige und loyale Dienerin ihrer Herrin heraus. Sie leistet über ihre Aufgaben hinaus pedantisch gute Arbeit. Nicht nur das lässt Maomao aufhorchen. Die jüngste Gemahlin des Kaisers, die 14-jährige Rishu, scheute sich vor dem servierten Honig beim Tee mit der Herrin Aduo. Dieser Honig stammt von der Dienerin Fonmin, die ihre Loyalität möglicherweise schon zu ernst nahm. Das gescheiterte Attentat beim Sommerfest aus Band 2 weckt Assoziationen.
Doch es steckt erheblich mehr dahinter, als auf den ersten Blick zu ersehen ist. Ein intimes Gespräch, wie bisher analytisch genau von Maomao initiiert, verrät, was es mit der Zofe Fonmin auf sich hat. Die von ihr offenbarten Ereignisse wirken schwer bis in das aktuelle Geschehen dieses Bandes und ermöglichen Spekulationen zu einer weiteren Figur des höfischen Treibens. Die geführten Dialoge zwischen Maomao, der Gemahlin Aduo und Fonmin lassen Einblicke in das höfische Leben, die Konventionen und ungeschriebenen Regeln zu. Diese Szenen sind die interessanteren und charakterstarken Episoden dieses vierten Bandes.
Das Ende dieser Ausgabe hält eine weitere Veränderung bereit, die für die kommenden fünf Bände einiges Potenzial bieten.
Der Stil
Dieser Manga-Stil favorisiert ganz klar große Augen, spitze Gesichter, große schillernde Pupillen und aufwendige Kleidung. Dies belebt die Figuren des feudalen Japans für die geneigten Mangaleser:innen auf frische Art und Weise. Die Szenerie dieser Ausgabe ist weniger detailreich dargestellt als in vorigen Bänden. Die Abbildungen zeitgenössischer Architektur, Kunst und Kleidung aller Figuren ist jedoch gleichbleibend aufwendig.
In diesem vierten Band wird die Handlung vermehrt über Monologe und Rückblenden erzählt.
Die dafür genutzten Methoden sind entweder schwarze Seitenränder oder das nahezu gänzliche Einfärben der Akteure mittels Rasterfolien.
Die Sprechblasen wechseln von rundlichen Gedankenblasen zu kastenförmigen Off-Sprecher-Boxen, die durchgehend von Maomao geführt werden.
Dazugehörige Bilder komplementieren die Eindrücke des Gesagten und unterstreichen diese. Allgemein ist der Stil ansprechend, wenn auch konventionell und nicht extrem innovativ.
Häufig finden sich Schattierungen mit Rasterfolien im gewohnten Grauton. Es lässt sich sonst viel weiß in den Hintergründen finden.
Weniger häufig werden getuschte Linien zur Intensivierung eines Schattenschlags genutzt, die dann aber das Bild etwas lebendiger und weniger steril wirken lassen.
[…] Maomao (manchmal auch Shaomao genannt) vom Eunuchen Jinshi aus dem Bordell freigekauft wurde, beginnt sie nun ihre Arbeit als Assistenz für den Beamten am Hof. Deren von Jinshi einseitig auf […]
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