Die unsterblichen X-Men 1 – Der Zirkel der Mächtigen

12. September 2022
2 Minuten gelesen

Eine neue Zeit für die Mutanten von Krakoa ist angebrochen. Nach Jonathan Hickmans Beendigung seiner Saga und kompletten Neuausrichtung, hat sich vieles verändert. Nun hat Kieron Gillen die Zügel in der Hand und führt die Homo Superior in eine neue Richtung. Dieser Start der Reihe, „Die unsterblichen X-Men 1 – Der Zirkel der Mächtigen“, zeigt, was der mittlerweile häufig auftauchende Autor Gillen alles zu Schreiben vermag.

In diesem bei Panini Comics veröffentlichten Paperback zeichnen zudem zwei junge Talente, deren Arbeit für sich spricht. Der Brasilianer Lucas Werneck übernimmt die ersten drei Hefte und findet im letzten Kapitel den stilistischen Abschluss. Michele Bandini steuert Heft 4 und 5 hinzu und zeigt ein weiteres Mal, warum sich der Stil junger italienischer Zeichner einfach durchsetzen muss.

Es wird eine aufregende Fahrt, also schnallt euch an, hier kommen die X-Men!

Der Blickwinkel Machts

Diese Ausgabe macht in vielerlei Hinsicht Spaß, so viel sei einmal vorangestellt. Zum einen mag dies an der gewitzten Art und Weise liegen, die Dialoge und Handlungen der Figuren zu schreiben, andererseits hängt dies auch mit dem zugrunde liegenden Konzept zusammen. Denn dieses Paperback benutzt die Erzähltechnik der vielen Perspektiven.

Begonnen wird mit einer äußerst amüsanten Episode aus dem Leben und Wirken des Mr. Sinister alias Nathaniel Essex. Seine durchtriebenen Ambitionen im Stillen Konzil lassen sich mit einer amüsanten Süffisanz beobachten, vom Plan bis zum Scheitern. Krakoa wird von einem riesigen anscheinend unbesiegbaren Tausendfüßler angegriffen, dessen Herkunft wohl auf eine Fraktion der Eternals schließen lässt. So werden schon einige Brotkrumen für das sich immer deutlicher anbahnende Cross-Over-Event A.X.E. gelegt, in dem Avengers, X-Men und Eternals in einen globalen Konflikt treten werden.

Ein Einblick in die Gedanken und damit entstehenden Gewissensbisse, sowie aller erdenklichen Dilemmata erhalten wir mit der kürzlich wiederbelebten Destiny. Ihre romantische Beziehung mit Mystique und die Rettung der bekannten Welt in einer vagen Zukunft wird darin primärer Bestandteil sein.

Im Weiteren tauchen wir in die Gedankenwelt der White Queen alias Emma Frost ein. Sie gilt seit Langem als eine der facettenreichsten und beliebtesten Charaktere des Mutantenensembles. Zu Recht, wenn man sich diese sehr lesenswerte und in die Psyche vordringende Ausgabe über die sich vor Anfeindungen zum Kristall verhärtenden Telepathin zu Gemüte führt.

Außerdem erhält der Jahrhunderte lang lebende Exodus alias Bennet du Paris eine überaus passende Figur an seine Seite. Die Nachfolgerin des Magneto, der in dieser Ausgabe seinen Platz im Konzil aufgibt, Hope Summers nimmt für Exodus eine wichtige Rolle in seiner eigenen Prophezeiung ein.

So lässt sich also zusammenfassen, dass diese Ausgabe mit seinen sechs Heften einen umfassenden Einblick in die Gedanken, Intentionen, Konflikte und Abgründe des wohl mächtigsten Gremiums der Welt bietet. Es lässt klar werden, dass sich das vermeintliche Paradies der Mutanten großen Schwierigkeiten stellen muss, um nicht auseinander zu brechen. Vor allem interne Konflikte werden präsenter und dringlicher denn je.

Die Stile

Beide Künstler zeigen sich von ihrer besten Seite. Den Großteil dieses Paperbacks zeichnet Lucas Werneck, dessen Stil sich als sehr detailverliebt und über alle Maße hochwertig beschreiben lässt. Oft bricht eine Figur die Panelrahmen und wirkt dabei fast dreidimensional. Das Layout allgemein ist sehr dicht und komplementiert so den präzisen, atmosphärisch dichten Zeichenstil auf wundervolle Art. Die Figurendesigns bewegen sich irgendwo zwischen einer an Stile einiger Mangas erinnernden Formgebung, sowie dem amerikanischen Stil der Superheldendarstellung. Auffällig gelungen sind die dargestellten Emotionen der Figuren, womit sich Humor und Tiefe ideal transportieren.

Michele Bandinis Bilder bewegen sich in ähnlichem Terrain, was sich für die Zusammenkunft dieser beiden Künstler in diesem Paperback als sehr gelungene Auswahl feststellen lässt. Einige der Panels innerhalb seiner Hefte spielen fantastisch mit Lichteffekten, Fragmentierung von Bildausschnitten und Überlappung anderer Panels auf einer Seite. Die Designs der Figuren zeigen eine angenehme Mischung aus runden Formen und harten, kantigen Linien.

Was das Design des gesamten Paperbacks betrifft, sind auch hier die für die X-Men bekannten Informationsseiten zu finden. Manchmal sind es Protokolle, Dialoge, Zitate, Tafeln, Karten oder zeitliche Abläufe, die darin erklärt werden.

Fazit
„Die unsterblichen X-Men 1 – Der Zirkel der Mächtigen“ ist ein andersartiger, erfrischender Superhelden-Comic, der den Action-Fan und Liebhaber politischer Intrigen mehr als zufrieden stellt. Dieser Start in die noch laufende Serie ist überaus gelungen und beweist, dass Kieron Gillen wohl einer der nächsten Shooting-Stars am Marvel-Himmel werden kann. Die Zeichnungen von Wernecke und Bandini bestätigen und honorieren diese Arbeit. Es ist vielleicht nicht der absolut stärkste Superhelden-Comic, wenn doch er wunderbar menschliche, verletzliche und visuell ansprechende Facetten zeigt. Ein rundum gelungener Start in die nächste Ära der Mutanten.
Pro
Fesselndes Geschichtenerzählen mit mehreren Perspektiven, komplexe Charaktererkundung, detaillierte und atmosphärische Illustrationen.
Kontra
Begrenzte thematische Vielfalt, potenzielle Komplexität für Leser, die mit früheren X-Men-Handlungssträngen nicht vertraut sind.
8.8

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Über den Autor

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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