Devil’s Reign – Herrschaft des Teufels 2

30. Juni 2022
3 Minuten gelesen

Das Event „Devil’s Reign“ macht etwas, das schon lange nicht mehr im Marvel-Kosmos unternommen wurde. Der Ansatz von Autor Chip Zdarsky ist es, ein Ereignis zu beschreiben, das einen machtpolitischen Aufstieg zeigt und dabei nie die Haftung zur Straße verliert. Niemand besseres als Daredevil und Wilson Fisk eignen sich für ein solches Unterfangen.

Diese zweite Ausgabe von „Herrschaft des Teufels“ fügt eine große Anzahl an Tie-Ins in die Geschichte ein. Eine ausführliche Cover-Gallery findet sich außerdem in dieser bei Panini Comics erschienenen Ausgabe.

Der aufhaltsame Aufstieg des Wilson Fisk

Der Bürgermeister Wilson Fisk hat nach seiner Erklärung des „Powers Act eine Totalüberwachung eingeführt. Zu Tausenden schwirren Drohnen durch New York und suchen nach Superhelden, die sofort von der eigens dafür eingesetzten Polizei und den Superschurken Thunderbolts inhaftiert werden sollen. Die Einflüsse in Gesetzgebung, Ausführung und die schleichende Unterwanderung der demokratischen Strukturen wecken so manche Erinnerung an bekannte Werke zum Aufstieg so mancher Diktatoren.

Sein Einfluss mittels der Gedankenkontrolle durch Purple-Man soll auf die ganze Stadt erweitert werden. Dafür benötigt er dessen geflohene Kinder und entsendet seine Schlägertruppe Thunderbolts, die mit einem Blitz als Wappen markiert sind. Eine weitere Assoziationen weckende Anspielung an historische Ereignisse.

Fisk entdeckt im Verlauf der Handlung, dass sein Gehstock, in dem bereits der Daumen des Purple-Man eingearbeitet ist, auch die Fähigkeiten besitzt, Erinnerungen zurückzubringen. Er wendet dies auf sich selber an und erhält das, was dieses Event losgetreten hat: die Identität Daredevils. Doch endet damit der nach Macht gierende Aufstieg des Wilson Fisk? Dies bleibt offen für den dritten Teil dieses Events.

In der Zwischenzeit begleiten wir zahlreiche andere Superhelden auf ihren Irrungen und Wirrungen durch diese neue Realität in ihren Tie-Ins. Elektra und Winter Soldier versuchen dabei die Dämonen ihrer Vergangenheit zu begreifen und zu überwältigen.
Die Fantastic Four und Moon Knight befinden sich noch im Hochsicherheitsgefängnis. Ihnen gelingt es jedoch, einen Ausbruch vorzubereiten.
Währenddessen wird der USAgent eine Figur, die ein doppeltes Spiel treibt und mehr als nur ein unmoralischer Schurke ist.
Ben Reilly Spider-Man sieht sich hingegen ganz anderen Gefahren ausgesetzt und muss sich gegen den aufstrebenden Fisk Junior behaupten.
Zu allem Übel gelang es Doc Ock, Versionen seines Selbst aus anderen Universen um sich zu sammeln. Jedoch hat er nicht mit einer besonders mächtigen Doc Ock Version gerechnet, der Dr. Strange Ock.

Es ist ein überaus interessanter zweiter Band, der sich trotz seiner zahlreichen Tie-Ins anfühlt, als wäre dies der gelungene dramaturgische Aufbau eines Thrillers. Viele Perspektiven vieler Künstler wirken zusammen und legen die noch zu knüpfenden roten Fäden vor einem aus.

Die Stile

In der Haupthandlung dürfen wir weiterhin den fantastischen Zeichenstil von Marco Checchetto bewundern. Feine Linien, die Struktur und Oberfläche beleben, Schraffuren und Schatten, die schon in der Zeichnung angelegt sind, und eine grandiose Kolorierung durch Marcio Menyz lassen jede Seite zu einer wahren Freude werden. Es fühlt sich sofort nach genau dem an, was es in der Geschichte sein möchte: Street-Level auf hoher Qualität.

Das eröffnende Heft mit Elektra als Protagonistin wurde von Rafael De Latorre gezeichnet. Es zeigt einen klaren Strich, fantastische Kampfszenen und expressive Figuren.

Im zweiten Heft wird der Winter Soldier von den Autoren Jackson Lanzing und Collin Kelly mit Nico Leons Kunst präsentiert. Dieses Kapitel ist fast ausschließlich in den zwei Farben Blau und Rot gehalten und ist keineswegs konventionell was die Panelstruktur, das Design und die Art, mit Licht und Schatten zu spielen, anbelangt. Ein kleiner Augenschmaus direkt zu Beginn.

Heft 4 dieses Paperbacks haben Clay McLeod Chapman geschrieben und Manuel Garcia gezeichnet. Darin werden die „Villains for Hire“, also die Geschichte rund um USAgent, mit einer dunklen und schraffurlastigen, ja fast schon schweren Stilistik dargestellt. Die übergreifende Dunkelheit lässt so manchen DC-Vibe frei werden.

Der cartooneske und quietschig bunte Kontrast folgt sogleich. Zac Thompson schrieb und Davide Tinto zeichnete die aufregenden Multiversumsabenteuer des Doctor Octavius. Es wird nicht die letzte Stilistik nahe des Cartoon-Comics in diesem Paperback sein.

Ben Reillys Abenteuer gegen Fisk Junior wurde von Anthony Piper verfasst und dem Zeichner Zé Carlos gezeichnet. Sie beweisen zusammen eine recht konventionelle moderne Stilistik in Erzählung und Zeichnung; schnelle Szenenwechsel, knallige Farben und eine auf das Nötige reduzierte Ausgestaltung der Szenerie. Das abschließende Heft ist wiederum sehr herausstechend. Vom derzeitigen Autor Moon Knights Jed MacKay mit zeichnerischer Unterstützung des Federico Sabbatini wird man vor eher untypische Bilder mit sehr typischen Inhalten gestellt. Moon Knight zeigt sich als eiskalter und blutrünstiger Schläger. Die Zeichnungen geben dies äußerst explizit und formschön wieder. Allerdings in einem Stil, der sich als eine reduzierte Version Codas verstehen könnte. Weniger expressiv und bunt, dennoch kantig und reich an tollen Perspektiven.

Fazit
„Devil’s Reign – Herrschaft des Teufels 2“ ist eine rundum gelungene Fortsetzung des Marvel-Events. Es zeichnet sich zusehends ab, dass dieses Event eines der besten der letzten Jahre werden könnte. Die gekonnte Vermischung von Polit-Thriller, Figurendramen und den Helden macht diese und die vorige Ausgabe zu einer immens unterhaltenden und interessanten Lektüre für aufmerksame Beobachter des politischen Geschehens. Besagte Analogien zu bekannten politischen Figuren und deren Wege an die Spitze sind ganz sicher nicht willkürlich oder zufällig und zeigen umso mehr, warum dieses Event seinen Platz in jedem Regal eines Comic-Fans verdient hat.
Pro
Präsentiert eine fesselnde Erzählung mit einem dramatischen Aufbau, mehreren Perspektiven und Anknüpfungspunkten, die an einen gut inszenierten Thriller erinnert. Bietet eine detaillierte Erkundung der Kämpfe von Charakteren wie Elektra und Winter Soldier und verleiht dem Gesamtbild Komplexität und Tiefe Handlung.
Kontra
Während Einbindungen zum Universum beitragen, könnte ihre Einbeziehung für Leser, die eine geschlossenere und geradlinigere Handlung bevorzugen, ein Nachteil sein.
9.6

Lars Hünerfürst

Minimalistisch und musikalischer Comic Enthusiast - lief zu Fuß von Berlin nach Paris.

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